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Die Roller im Roggen

Zum Glück gab es die Schule, die einen warmen, sicheren und abwechslungsreichen Lebensraum geboten hat. Doch damit ist es jetzt auch vorbei.Denn jetzt kommt das harte Arbeitsleben. Wobei hart das falsche Wort ist. Langweilig, öde, sinnlos trifft es eher. Und was machen verzweifelt, gelangweilte junge Männer. Sie begeben sich auf eine Abenteuerreise, weg von inkludierter Sinnlosigkeit, hin zu explodierenden Gefühlen.Schnell ist sich die Gang einig, dass sie weg wollen, um ihre Träume zu leben. Was sie dazu brauchen, ist ein alter Zivi-VW-Bus. Im Wechsel mit aberwitzigen Videoeinspielungen, die die Akteure nachts im Museum, bei wilden Autoverfolgungsjagden oder beim ballettösen Schwanensee zu musikalischen Rockklassikern zeigen. Dabei schlüpfte eine Person in die Rolle des Anführers, wenn sie mit dem Bus einen AfD-Stand „platt“ machen und der Hunger sie ohne Bargeld in der Tasche zu einer Tankstelle treibt. „Auf drei packt ihr alles an Defiziten aus, was geht!“, lautet die Parole und der Tankwart muss sich geschlagen geben. Bis ihnen der Sprit ausgeht. Dann müssen sie laufen bzw. Rollen. Irgendwann kommen sie zu einem leeren Haus. Dort herbergten sie, dann kommt eine Frau ins Haus, die sie erkannte durch die Suchanzeige der Polizei. Die Bewohner nehmen sie auf und sie spricht mit jedem. Ein Bewohner überredete die Frau mit ihm Schnick-Schnack zu machen. Einen tief berührenden Moment erlebten die Zuschauer in einer Tanzszene am Schluss.

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Rollin' Love

Der Bühnenknaller zeigt, wie schwer es ist für Menschen mit Einschränkungen eine Beziehung zu finden. Die Jungs haben es gut. Sie rollen in Freundschaft durch das Leben und machen das was andere Jugendliche auch machen. Also Hiphop, Karate und Ladendiebstahl. Alles wäre super, gäbe es nicht dieses kleine, teuflische Ding namens Pubertät. Doch Lukas lässt sich nicht so leicht entmutigen und begibt sich im Alleingang zum Chatten ins Internet. Als „Adonis“, um seine „Venus“ kennenzulernen. Der Boss und die Bande machen ihm das Verliebtsein schwer, hacken sich in seinen Account ein, machen sich lustig über das ungleiche Paar. Bis der gewiefter Kommissar den Fall aufklärt. Ida und Lukas treffen sich noch einmal, reden sich Mut zu, schließlich sind sie keine dieser langweiligen Normalos. Gute Freunde wollen sie bleiben, nur das lässt Lukas nicht auf sich sitzen. Er spricht Klartext, will einen anderen Körper ohne Behinderung haben. Will raus aus seiner Haut, wenn es um Sex geht. Lukas steht mit Hilfe zweier adretten Frauen aus seinem Rollstuhl auf und läuft.​

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Konfusion auf Exkludia

„Es erwartet sie ein außergewöhnliches Stück mit außergewöhnlichen Schülern, die außergewöhnlich kommunizieren“, stimmte Projektleiter und Kommunikationspädagoge Thorsten Mühl das Publikum auf einen außergewöhnlichen Abend ein. Denn auf „Exkludia“, einer weit entfernten Galaxie, herrschen ganz eigene Gesetze: Man darf dort nicht auf seinen eigenen Füßen stehen, es wird gerollt; mit dem Mund zu sprechen ist vollkommen unhygienisch und absolut verpönt – für so etwas gibt es schließlich Talker: Luki, genannt Romeo 2.0, steuert diesen mit seinem großen Zeh an. Max, der Anarchist, zielt kurz mit seinem Auge und schon weiß jeder, was gemeint ist. Der etwas größenwahnsinnige, aber gleichsam geniale Professor Silvan Hassnuss, verändert die Welt mit einem Daumen. Und wenn Darth Hannes sein Knie hebt, stehen alle stramm.

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Baustelle

Es ist ein nicht ganz alltägliches Bild, das sich da den Besuchern im Theater Ravensburg bietet. Nicht nur, weil die Jungs von der KBZO-Baustelle schweres Gerät mit auf die Bühne bringen, sondern auch ihre so genannten Talker. Denn die jungen Schauspieler Hannes, Silvan, Max, Lukas und Flo äußern ihre Rollentexte nicht verbal, sondern über diese Geräte. „Unterstützte Kommunikation“ (UK) lautet der Fachbegriff. Und so unterschiedlich die Behinderungen sind, so unterschiedlich wird der Talker angesteuert, um zur richtigen Textpassage zu gelangen: Fuß, Auge, Daumen, Knie …

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